Kein Tisch besteht aus einem Typ Mensch. Am selben Abend sitzt jemand, der für den perfekten Kampfzug lebt, neben jemandem, der am liebsten eine halbe Stunde mit einem Wirt plaudert. Beide haben Recht, beide wollen Spaß, nur eben nicht denselben. Als Spielleitung kannst du es niemandem recht machen, solange du nicht weißt, was jede:r am Tisch eigentlich sucht.
Die gute Nachricht: Du musst es nicht erraten. Ein paar ehrliche Fragen verraten dir mehr als zehn Sessions stilles Beobachten. Dieser Ratgeber gibt dir die Fragen an die Hand und sagt dir, was die Antworten über deine Spieler:innen bedeuten.
Wann du fragst, und wie.
Der beste Moment ist die Session Zero, das Vorgespräch vor der ersten Runde. Aber auch mitten in einer Kampagne ist es nie zu spät: Ein lockeres „Was hat dir letztes Mal am meisten Spaß gemacht?“ wirkt Wunder und kostet zwei Minuten.
Zwei Grundregeln dabei. Erstens: Frag im Gespräch, nicht wie ein Fragebogen, sonst fühlt es sich wie ein Vorstellungsgespräch an. Zweitens: Nimm jede Antwort ernst, auch das unspektakuläre „Ich will einfach nur mit euch abhängen“. Genau das ist eine wertvolle Information, kein Ausweichen.
Die Fragen, die am meisten verraten.
Du brauchst nicht alle. Drei oder vier gut gewählte reichen, um ein Bild zu bekommen:
- Woran erinnerst du dich nach einer richtig guten Session zuerst? An einen Kampf, ein Gespräch, eine Entdeckung oder einfach das Lachen mit der Gruppe?
- Was frustet dich am Spieltisch am meisten? Leerlauf, auf Schienen gesetzt werden, endlose Regeldiskussionen oder zu wenig Rampenlicht?
- Lieber ein knackig-taktischer Kampf oder eine heikle Verhandlung ganz ohne Würfel?
- Wenn du dich entscheiden müsstest: Charakter lieber mechanisch stark oder erzählerisch spannend?
- Stehst du gern im Rampenlicht oder wirkst du lieber aus dem Hintergrund?
- Wie wichtig ist dir, dass die Welt zusammenhängt und Geheimnisse zum Aufdecken hat?
- Wäre der mögliche Tod deiner Figur dramatisch-toll oder eher frustrierend?
Die Spieltypen, und was sie am Tisch brauchen.
Die Antworten sortieren sich meist in eine Handvoll Grundtypen. Keiner ist besser als der andere, jeder will nur etwas anderes gefüttert bekommen:
- Die Erzählerin (Method Actor): lebt für ihre Figur, deren Gefühle und Entscheidungen. Gib ihr moralische Zwickmühlen und NSCs, die auf ihre Figur persönlich reagieren.
- Der Taktiker (Powergamer): sucht die knifflige Herausforderung und den perfekten Plan. Gib ihm Gegner mit Mechanik, echte Entscheidungen im Kampf und Situationen, die man clever knacken kann.
- Der Entdecker: will wissen, was hinter dem nächsten Hügel liegt. Gib ihm eine Welt mit Tiefe, Karten, Lore und Geheimnissen, die sich Stück für Stück öffnen.
- Die Gesellige: kommt für die Menschen, nicht für den Plot. Gib ihr Raum für Gruppenmomente und Humor, und mach klar, dass eine Runde Quatschen zwischendurch völlig okay ist.
- Der Draufgänger (Buttkicker): will cool sein und den Tag retten. Gib ihm den großen Auftritt, klare Bösewichte und Momente zum Glänzen.
- Die Regelfüchsin: hat Freude am System selbst. Lass sie Regeln erklären, an Builds tüfteln und spüren, dass ihr Systemwissen der Gruppe echt hilft.
Fast alle sind Mischtypen.
Niemand ist nur ein Typ. Die meisten sind zwei Drittel das eine und ein Drittel das andere, und das verschiebt sich je nach Kampagne, Laune und Tagesform. Nutze die Typen als Landkarte, nicht als Schublade. Das Ziel ist nicht, Menschen einzusortieren, sondern jedem im Lauf eines Abends einmal seinen Lieblingsmoment zu schenken.
Und der ehrlichste Trick von allen braucht nur einen Satz: Frag nach der Session „Was war heute dein Highlight?“. Die Antwort ist die beste Spielertyp-Analyse, die es gibt, und sie sagt dir sofort, wovon deine Gruppe beim nächsten Mal mehr will.
Wenn du eine neue Runde aufmachst, hilft es enorm, deinen eigenen Ton schon am Aushang klar zu benennen: kampflastig oder erzählerisch, düster oder heiter, Oneshot oder Kampagne. Dann finden dich genau die Spieler:innen, deren Lieblingsmoment zu deinem Tisch passt. Auf ARKANUM kannst du beim Ausschreiben genau diese Tags setzen.